Antifaschismus 2.0

Verschwörungstheorien und Faschismus im Web 2.0

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Wohlleben, Ralf

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Der 1975 in Jena geborene Ralf Wohlleben war eines der führenden Mitglieder des militanten Kameradschaftsnetzwerkes „Thüringer Heimatschutzes“ (THS) und der Freien Kameradschaft „Nationaler Widerstand Jena“ (NWJ). Mittlerweile ist er stellvertretender Landesvorsitzender und Pressesprecher der NPD Thüringen sowie Vorsitzender des Kreisverbandes der NPD Jena.

Jugendjahre beim THS

Wohlleben ist in der rechtsextremen Szene Thüringens seit Mitte der 1990er Jahre aktiv und pflegt seit dieser Zeit besonders enge Kontakte zu dem lokalen Führer des THS André Kapke. Gemeinsam sind sie als „Anti-Antifa“-Aktivisten tätig und sammeln Informationen und Fotos von AntifaschistInnen und politischen GegnerInnen. Beispielsweise agierte Wohlleben bei der Veranstaltung der Burschenschaft Jenensia am 01. Dezember 1999 mit dem neonazistischen Verleger Peter Dehoust als Ordner und lichtete protestierende AntifaschistInnen ab.[1] Kapke und er hatten nachweislich auch Verbindungen zu den drei Jenaer RechtsextremistInnen, die 1997 eine Bombenattrappe in Jena deponierten und deren Sprengstoffwerkstatt Anfang 1998 von der Polizei entdeckt wurde [2] Im August 1999 wurden Wohlleben und Kapke wegen gemeinschaftlich begangener gefährlicher Körperverletzung und Nötigung von zwei jungen Frauen zu Geldstrafen verurteilt. Zusammen mit etwa einem Dutzend weiterer Kumpane wollten sie die beiden Frauen unter Androhung von massiver Gewalt bis hin zu Mord dazu zwingen, Namen und Adressen von linken Jugendlichen preiszugeben.[3] Gemeinsam mit Maximilian Lemke bewohnen Wohlleben und Kapke seit Herbst 2002 das „Braune Haus“ in der Jenaischen Straße 25 in Altlobeda, ein rechtsextremes Wohn- und Schulungsprojekt mit überregionaler Bedeutung. Hier fand am 10. Juli 2005 etwa die Gründung eines Stützpunktes der JN statt, wobei neben dem „Stützpunktleiter“ Christian Kaiser und Frank Schwerdt auch Wohlleben eine Rede vor den 50 Kameraden hielt.[4]

Karriere bei der NPD

1998 trat Wohlleben in die NPD ein, begründete den Jenaer Kreisverband mit und wurde zu dessen Vorsitzenden. Seit dieser Zeit beteiligt er sich an zahlreichen Demonstrationen und Kundgebungen der Partei und tritt häufig als Redner und Anmelder auf. So war er beispielsweise mehrfach Organisator, Anmelder und Redner bei den „Thüringentagen der nationalen Jugend“ und dem „Fest der Völker“ in Jena.[5] In diesem Zusammenhang wird er seit 2000 regelmäßig namentlich in den Veröffentlichungen des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz als „bekannter Rechtsextremist“ erwähnt und „zu den führenden Neonazis in Thüringen“ gezählt. Er unterhält Kontakte zu zahlreichen Neonazikadern wie Gerd Ittner, Christian Worch, Jürgen Rieger und Peter Borchert. Seit 1999 ist Wohlleben im Landesvorstand der NPD aktiv und seit 2002 stellvertretender Landesvorsitzender der NPD Thüringen. Zuletzt wurden Frank Schwerdt und Ralf Wohlleben am 01. 07. 2006 auf dem Landesparteitag der NPD in Ammelstädt als Vorsitzender und Stellvertreter des Thüringer NPD-Landesverbandes bestimmt.[6]

Kandidaturen und Wahlen

Im Jahr 2000 trat Wohlleben, offiziell als parteiloser Kandidat, zur Ortschaftsratswahl am 18. Juni in dem Neubaugebiet Jena-Winzerla an und zwar mit Versprechungen wie: „Die Spielplätze müssen ausgebaut werden und vor allem deren Sauberkeit garantiert werden. Hundekot, Glasscherben und Unrat haben im Sandkasten nichts zu suchen!“ [14] Bei einer Wahlbeteiligung von 8,0% reichten 111 Stimmen aus, um als eines von zehn gewählten Mitgliedern in den Ortschaftsrat einzuziehen und dort bis 2002 den Bereich „Kinder- und Jugendarbeit“ zu übernehmen.[15] Hier arbeitete er mit dem CDU-Ortsbürgermeister zusammen und erstellte in dessen Auftrag auch mehrere Internetseiten. Bei der Landtagswahl 2004 kandidierte Wohlleben auf Platz 1 der Thüringer NPD-Landesliste.[16] Nach seinem Umzug in den Jenaer Stadtteil Lobeda-Altstadt ließ sich Wohlleben auch dort 2004 zur Ortschaftsratswahl aufstellen und erlangte 5,83% der abgegebenen Stimmen. Zur Bundestagswahl am 18. September 2005 trat er als Direktkandidat für die NPD im Wahlkreis 196 - Greiz – Altenburger Land - an und stand an dritter Stelle auf der Landesliste der Thüringer NPD.[17] Wohlleben bekam 6393 Stimmen, was 4,5 Prozent entspricht. [18]

„Nationale Jugend Jena“

Enge Verbindungen hatte Wohlleben zu der sogenannten „Nationalen Jugend Jena“. Diese trat Ende 2001 öffentlich mit der Forderung nach einem „nationalen Jugendzentrum“ in Erscheinung. Wohlleben stellte den Webspace des NPD-Kreisverbandes zur Mobilisierung für die Demonstration der Gruppe am 12. Januar 2002 zur Verfügung und trat als Redner vor den 80 Neonazis auf. Kurze Zeit später erschien die erste Ausgabe der SchülerInnenzeitung „Mitteldeutsches Sprachrohr“, die von der „Nationalen Jugend“ herausgegeben wurde. Für diese meldete Wohlleben darüber hinaus ein Zeltlager unter dem Motto "Jugend braucht Räume" an, welches von der Stadtverwaltung Jena verboten wurde.[7]

Organisator und Redner auf neonazistischen Kundgebungen

Einige weitere Beispiele neonazistischer Kundgebungen, die Wohlleben organisierte oder unterstützte: Eine Mahnwache am 17. Juni 2002 in Jena unter dem Motto „Wir gedenken den Opfern des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953“. Eine weitere am 6. August 2002 unter dem Motto „Hiroshima 45 und Irak 2002 – Amerikanischer Staatsterror“. Am 19. Juli 2002 eine Spontandemonstration, die jedoch verhindert wurde, gegen das Verbot eines von Wohlleben organisierten Konzertes mit der Neonaziband Eugenik in Porstendorf.[8] Als Redner am 18. Oktober 2003 in Erfurt auf einer von Christian Worch angemeldeten Demonstration unter dem Motto „Volk steh auf! Gegen Sozialabbau, Massenarbeitslosigkeit und Kriegsbeteiligung!“.[9] Am 03. März 2004 bei einer Demonstration vor dem Jenaer Rathaus gegen die Unterbringung von AsylbewerberInnen im Stadtteil Lobeda mit dem Ziel „Ausländerhass zu schüren“ (Verfassungsschutz).[10] Am 20. März 2004 in Weimar für die „Wiedervereinigung Gesamtdeutschlands“. Am 6. Mai 2004 besuchte Wohlleben mit 40 Kameraden die Wanderausstellung des Bundesamtes für Verfassungsschutz „Die braune Falle“ in Jena, wobei sie die Ausstellungstafeln beschädigten. Im Anschluss führten sie eine Spontandemonstration durch. Der VS sah jedoch großzügigerweise davon ab, Strafantrag zu stellen. Schließlich bereitete Wohlleben die „erste Antikapitalistische Kaffeefahrt des Nationalen Widerstands Thüringen“ am 20. November 2004 nach Altenburg, Gera und Arnstadt vor. Gemeinsam mit dem Gothaer Neonazi Sebastian Reiche organisierte Wohlleben im Rahmen „Kampagne nationaler Kräfte“ gegen die Agenda 2010 die Naziaufmärsche am 03. Juli und 04. September 2004 in Gotha bzw. Jena.[11] Für das seit August 2005 erscheinende Informationsblatt des NPD-Landesverbandes „Thüringenstimme" fungiert Wohlleben als Verantwortlicher im Sinne des Pressegesetztes.[12]

Immobiliengeschäfte

Im Juli 2006 bot Wohlleben in einer Pressemitteilung ImmobilienbesitzerInnen an, gegen eine Parteispende erklären zu wollen, dass die NPD das Grundstück erwerben wolle, wodurch die Stadt es „zu Höchstpreisen“ abkaufen würde. VerfassungsschützerInnnen warnten darauf vor vermeintlichen „Immobilientricks“ der NPD, was bundesweit in der Presse aufgegriffen wurde.[13]

„Netzmeister“

Als gelernter Fachinformatiker für Systemintegration verdient Wohlleben seinen Lebensunterhalt mit der Gestaltung verschiedenster Internetanwendungen.[19] Mit dem Provider lobdeweb.de bietet er einen unverfänglich klingenden Service für Webspace an, der jedoch selbstverständlich auch und gerade von anderen rechten und rechtsextremen Gruppierungen genutzt wurde bzw. wird, beispielsweise von dem „Aktionsbüro Rhein-Neckar“, einem lokalen Vernetzungsansatz von Freien Kameradschaften aus der Rhein-Neckar Region. Er wurde – bis zum Aufkommen öffentlicher Proteste im Januar 2006 – im Impressum des neuen Jenaer Stadtportals www.jenakompakt.de erwähnt. Auch andere Rückschläge musste Wohlleben immer wieder einstecken: Anfang Mai 2005 wurde im Rahmen der Hackthenazis-Aktionswoche der Datenantifa die NPD-Homepage des Kreisverbandes Jena gehackt und auf der Seite des Nationalen Widerstandes Jena dessen Auflösung bekanntgegeben.[20] Und auch am Tag der Ausweichveranstaltung in Jena zum in Wunsiedel verbotenen Rudolf-Heß-Gedenkmarsch, am 19. August 2006, wurden 38 bei Wohllebens Service netzspeicher24.de gehostete rechtsextreme Seiten gelöscht.[21]

Für den verheirateten Familienvater Ralf Wohlleben ist „Nationalsozialismus eine Politikform wie andere auch“.[22]

 

[1] Presseerklärung der Jugend Aktions- und Projektwerkstatt Jena (JAPS) vom 29. 03. 2000. In: http://www.infoladen.net/il/sljena/archiv/wohlleben.htm

[2] Presseerklärung der Jugend Aktions- und Projektwerkstatt Jena (JAPS) vom 29. 03. 2000. In: http://www.infoladen.net/il/sljena/archiv/wohlleben.htm .

[3] http://hagalil.com/antisemitismus/antisemitismus/deutschland/texte/lag-04.htm Presseerklärung der Jugend Aktions- und Projektwerkstatt Jena (JAPS) vom 29. 03. 2000. In: http://www.infoladen.net/il/sljena/archiv/wohlleben.htm .

[4] Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus – Für Demokratie „Mobit“. Rechtsextreme Aktivitäten 2005 In: http://www.mobit.org/Materialien/Chronik_Rex-Th%FCringen-2005.pdf .

[5] Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus – Für Demokratie „Mobit“. Rechtsextreme Aktivitäten 2005 In: http://www.mobit.org/Materialien/Chronik_Rex-Th%FCringen-2005.pdf

[6] Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus – Für Demokratie „Mobit“ Rechtsextreme Aktivitäten 2006 http://www.mobit.org/Materialien/Chronik_Rex-Th%FCringen-2006.pdf

[7] Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht des Freistaates Thüringen – 2002. Rechtsextremismus. http://www.verfassungsschutz-thueringen.de/vsberichte/2002/rechtsextremismus.htm

[8] Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht des Freistaates Thüringen – 2002. Rechtsextremismus. http://www.verfassungsschutz-thueringen.de/vsberichte/2002/rechtsextremismus.htm .

[9] Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht des Freistaates Thüringen – 2003. Rechtsextremismus. http://www.verfassungsschutz-thueringen.de/vsberichte/2003/rechtsextremismus.htm

[10] Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht Freistaat Thüringen 2004 S. 59.

[11] Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht Freistaat Thüringen 2004 S. 60 ff.

[12] Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht des Freistaates Thüringen – 2005. Rechtsextremismus. http://www.verfassungsschutz-thueringen.de/vsberichte/2005/rechtsextremismus.htm

[13] siehe nur Stern.de Verfassungsschutz. Warnung vor Immobilien-Tricks von Neonazis. In: http://www.stern.de/wirtschaft/immobilien/:Verfassungsschutz-Warnung-Immobilien-Tricks-Neonazis/568098.html

[14] Ralf Wohlleben: Wahl zum Ortschaftsrat. In Jena-Winzerla im Juni 2000 verteiltes Flugblatt.

[15] Amtsblatt der Stadt Jena vom 29. Juni 2000. In: http://www.jena.de/verwalt/amtblatt/2000/amt25_00.htm .

[16] Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht des Freistaates Thüringen – 2003. Rechtsextremismus. In: http://www.verfassungsschutz-thueringen.de/vsberichte/2003/rechtsextremismus.htm

[17] Kathrin Schulz „Sechs Namen auf dem Stimmzettel". Ostthüringer Zeitung. Ausgabe Greiz vom 20. 08. 2005 In: http://www.mohlsdorfer-aktuelle.de/2005-08.html#2005-08-20a

[18] Kathrin Schulz „Volkmar Vogel bleibt im Bundestag“. Ostthüringer Zeitung. Ausgabe Greiz vom 18. 09. 2005 In: http://www.berater-durchblick-greiz.de/presse/Presse%202005/presse_05_09_15.htm . Laut VS 6406 Stimmen, Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht des Freistaates Thüringen – 2005. Rechtsextremismus. In: http://www.verfassungsschutz-thueringen.de/vsberichte/2005/rechtsextremismus.htm

[19] Wen Wählen? Ihre Plattform zur Kandidatensuche bei der Bundestagswahl 2005 In: http://www.wen-waehlen.de/kandidaten/kandidtat_557.html

[20] Olaf Meyer „Virtuelle Antifa“ 13.05.2005 http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20086/1.html

[21] datenantifa „Datenantifa wieder aktiv“ 19.08.2006 http://de.indymedia.org//2006/08/155402.shtml

[22] Heike Kleffner „Neonazis möchten es sich in Jena gemütlich machen Rechtsextreme setzen die Stadt unter Druck, endlich für Jugendliche ein Zentrum einzurichten.“ Frankfurter Rundschau, 8. Februar 2002.

 

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